Achtsam und bewusst mit Medien umgehen

Unterrichtsideen für die Klassenstufen 10-13
Von Mathias Fechter

Mediale Angebote versuchen immer geschickter unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Mit dem Internet und seinen vielfältigen Kanälen stürmen noch mehr Angebote auf uns ein. Verschärft wird dies durch die wachsende Bedeutung der Social Networks, die zunehmend das Zeitbudget der Nutzer beherrschen. In dem immer dichter werdenden Mediengeflecht wird die Aufmerksamkeit des Einzelnen permanent hin- und hergeworfen. Vieles deutet darauf hin, dass sich das menschliche Gehirn dadurch zu verändern beginnt. Prognostiziert werden „oberflächlichere“ Formen der Medienrezeption, Aufmerksamkeitsstörungen oder gar das Aufkommen einer „Aufmerksamkeitsdefizitkultur“ (1).

Die Fähigkeit, aufmerksam zu sein, ist für ein gelungenes Leben unverzichtbar: Wir brauchen sie, um anderen Menschen (und uns selbst) wirklich zuhören zu können, zum Lernen oder um im Leben „wirklich da zu sein“. Vor diesem Hintergrund stellen Achtsamkeit und Konzentration wichtige Medienkompetenzen dar. Ein kompetentes Aufmerksamkeits- und Zeitmanagement kann Jugendliche in die Lage versetzen, ihre Mediennutzung gezielter zu steuern und den Attacken der „Aufmerksamkeitsräuber“ besser zu widerstehen.

Mit Hilfe einer Zitat-Sammlung (Vorlage) kann in das Thema eingestiegen werden. Die Zitate thematisieren auf pointierte Weise, welchen Einfluss das Internet und soziale Netzwerke auf Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Denkweise haben können. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen können die Schülerinnen und Schüler die Aussagen bewerten und darüber diskutieren.

Mit einer Art Experiment können die Schülerinnen und Schüler eine Kontrasterfahrung machen, die ihren eigenen Mediengebrauch und das damit verbundene Erleben schärfer konturiert und für sie deutlicher werden lässt: Ein Tag ohne Medien – kein Internet, keine Emails sowie kein Handy und kein Fernsehen. Der PC kann nur zur Erstellung von Texten mit einem Textverarbeitungsprogramm benutzt werden. Dieses „Experiment“ sollte in drei Phasen durchgeführt werden:

1) Vorbesprechung

Hier werden mit den Schülerinnen und Schüler die Regeln (siehe Aufgabenblatt „Ein Tag ohne Medien“) durchgesprochen und der Termin für den medienfreien Tag festgelegt. Es sollte versucht werden, möglichst alle zu einer verbindlichen Teilnahme zu verpflichten. Auch Widerstände sollten hier Raum bekommen und besprochen werden. Außerdem kann hier die individuelle Medienpraxis der Schülerinnen und Schüler abgeglichen werden: Wie oft, in welchen Rhythmen und wie lange am Tag sind sie online? Welche Angebote, Networks, Apps und Programme nutzen sie? Wie oft sind Fenster/Angebote/Apps parallel geöffnet? Wie stark wird man abgelenkt? Welchen Einfluss hat das auf Konzentration und Achtsamkeit?

2) Ein Tag ohne Medien

Gemäß der vereinbarten Regeln verbringen die Schülerinnen und Schüler einen Tag ohne Medien. Ihre Erfahrungen und Einschätzungen notieren sie in Form eines Tagebucheintrages.

3) Nachbesprechung: Auswertung der gemachten Erfahrungen

Hier werden die gemachten Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler besprochen: Wie hat sich der Verzicht auf Medien ausgewirkt und angefühlt? Was hat sich hinsichtlich Zeit, Konzentration und generellem Gefühl anders als sonst angefühlt?

Ein achtsamer und bewusster Umgang mit Medien kann auch durch eine generelle Einübung von Achtsamkeitstechniken gestärkt werden. Hierbei geht es um Achtsamkeit als eine bewusste, absichtslose und offene Haltung zum gegenwärtigen Geschehen. Achtsamkeit bedeutet, bewusst den Modus der alltäglichen Geschäftigkeit zu verlassen und den inneren Autopiloten abzuschalten. Achtsamkeitspraxis kann auf diese Weise dazu beitragen, Routinen des Mediengebrauchs besser wahrzunehmen. Zu erkennen, wie man oft reflexartig mediale Angebote und Dienste immer wieder aufruft, ohne darüber nachzudenken, kann zu einem bewussteren Umgang mit Medien führen. Für Schülerinnen und Schüler, die sich mit dieser Thematik näher beschäftigen möchten, bietet die Vorlage „Achtsamkeit“ Hinweise und Literaturtipps.

Die Wege zu einem achtsamen Medienumgang können sehr verschieden sein. Einige Internetuser entscheiden sich, soziale Netzwerke ganz zu meiden, andere wiederum sie bewusster und kontrollierter zu nutzen. Exemplarisch für diese Positionen stehen zwei Texte, in denen unterschiedliche Konsequenzen gezogen werden. Angeregt durch die in Vorlage „Strategien des Medienumgangs“ präsentierten Texte können die Schülerinnen und Schüler eigene Strategien entwickeln. Hierzu wird die Klasse in 4 bis 5 Gruppen eingeteilt, die Gruppenmitglieder sollten möglichst ähnliche Vorstellungen haben.

Um die Ergebnispräsentation etwas unterhaltsamer zu gestalten, können die in den Gruppen erarbeiteten Positionen auch in Form einer Pecha Kucha-Präsentation vorgetragen werden. Eine Pecha-Kucha-Präsentation zeichnet sich dadurch aus, dass sie nur aus 20 Bildern bestehen darf. Jedes Bild wird für exakt 20 Sekunden lang gezeigt, möglichst passend zu den Ausführungen des Vortragenden. Während der Präsentation wechseln die Bilder automatisch, der Vortragende hat keinen Einfluss darauf. Auswahl und Reihenfolge der Bilder sowie die Inhalte, die vorgetragen werden, erarbeitet die Gruppe gemeinsam. Die Schülerinnen und Schüler sind bei dieser Präsentationsart gezwungen, ihre Ansichten nicht nur textlich, sondern auch in Form von Bildern auszudrücken. Der Auseinandersetzung und Reflexion werden dadurch weitere Bedeutungsebenen eröffnet.

1) siehe z.B. Christoph Türcke: „Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur“, München: Verlag C.H.Beck, 2012 oder „Focus Schule: Wie das Internet unser Denken verändert“ (Zugriff am 28.02.2014)

Materialien:

> Vorlage: Zitat-Sammlung
> Aufgabenblatt: Ein Tag ohne Medien
> Vorlage und Aufgabenblatt: Achtsamkeit
> Vorlage: Strategien des Medienumgangs

 

Die Unterrichtsideen wurden von uns für die DVD “Internet und Handy 2.0. Neue Medien als Thema im Unterricht” aus  der Reihe “Schule des Hörens und Sehens” entwickelt (Hrsg. Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien sowie Hessisches Kultusministerium). Weitere Infos zur DVD sind hier zu finden.

 

© Bild: Daniel Oines/flickr.com, „Half an hour of web ads“, Creative Commons (CC BY 2.0)